Tagebuch Thailand I

Khao Lak 8. Oktober 2008 Ladina

Die Abreise aus der Schweiz liegt schon ewig zurück. Es war der  8.September 2008. Ladina schaute sich mit mir nochmals die Fotos an:

Ladina: I bi uhhhh mega trurig wäge dä Mirj, minere Fründin, weil ich nüme mit ihre chan spiele und dä Andrin au nüme mit äm Joel. Abo mir chönd jo skype. Mir alli händ äs Abschiedsfescht gha.

Do fangts also a. Äs is top, wiel mir alli törfed go reise. Alles vieli Gepäck mues au mit cho.

Dass min Götti hät döfä au an Flughafe cho luege, is uh läss t`sie. Götti, i han di uh gern!

By, by, by, by ……!

„Gugus?“ wo is denn euse Flüger?

 

Do do!“ und soooo än Grosse?

Und denn – im Fa-all, händ mir im Flüger dörfe ässe und slofe und s`hät im Fa-all au huufe WC gha. I bi bi dä Mama tsie.

In Thailand sind mir au no mit ämene Thailandflüger gfloge.

 

Im neue Land uf äm Flughafe isches top t`sie, wiel Manne händ üs umegstosse und au no s`Gepäck und alles und d`Schwimmweste und alles…

Vo Phuket sind mir uhhh mega lang, wie no nie im ganze Läbe, Taxi gfahre. Und denn sind mir endlich bi eusem Hus in Khao Lak acho. Mir lached do, aber mir sind jo eigentlich mega müed vo dä sooooo lange Reis.

Am meischte müed isch dä Papa, denn d`Mama, denn dä Andrin und denn d`Ladina…….äh, nei! Ich bi jo eigentlich gar nöd müed!!!

Koh Lanta, 25.10.08, Esther

 

Draussen ist eine traumhafte Stimmung! Unser Hotel liegt auf einer Zunge, die von der eigentlichen Insel Lanta hinausragt. Diese Landzunge ist nur ca. 500m breit. Somit hat nur die Strasse, das Hotel und der Pool Platz. Links und rechts liegt ein grosser Strand und das Meer. Während der Regenzeit, so auch jetzt, spielt sich fast jeden Abend ein bezauberndes Stimmungs – und Farbenspiel ab. Von der einen Seite her ziehen Regenwolken auf, es wird dunkel, der Himmel verfärbt sich düster und stimmungsvoll und oft hört man von weit her Donnerrollen. Dreht man sich um 180 C, ist das Meer wunderbar blau, die untergehende Sonne verfärbt den Himmel zauberhaft rot und violette und lädt einem zum Träumen ein.

Diese Stimmungen beeindrucken mich tief. Ich muss mich nur drehen, und die Welt sieht anders aus, komplett anders.

Mir selbst geht es oft so. Ich erlebe in meinem Gesundheitszustand intensive und ganz  versch. Stimmungen, die im Handumdrehen wechseln. Die Schwankungen sind gross, wir alle müssen uns immer wieder danach richten

 

  1. Die Erfahrung, dass beide Seiten / Stimmungen schön und eindrucksvoll sein können (…ist oft einfach sau schwer…!)
  2. Beide Seiten / Stimmungen treten immer wieder auf. Ob das nun positiv oder negativ ist, ist jedem Leser selbst überlassen. Bei mir überwiegt der tröstliche Aspekt im Moment.

 

Koh Lanta, 21. Oktober 2008, Toni

Wir sind jetzt seit sechs Wochen unterwegs

Wir sind jetzt seit sechs Wochen unterwegs, zuerst vier Wochen in Khao Lak, etwas nördlich von Phuket, und jetzt seit 10 Tagen in einem kleinen Resort auf der Insel Koh Lanta, südlich von Phuket. Wir leben in der Lowseason. Sowohl in Kao Lak wie auch jetzt auf Koh Lanta waren wir zu Beginn jeweils fast die einzigen Gäste. In Khao Lak hat sich das Resort innerhalb der vier Wochen zusehends gefüllt, und wir waren Ende der vier Wochen froh, das mittlerweile gut besetzte Resort zu verlassen.

Auf Koh Lanta gehen die Uhren etwas hinten nach. Wir waren am ersten Tag neben einem Ehepaar die einzigen Gäste. Und jetzt beginnt sich das Resort auch langsam zu füllen. Wenn es dann voll sein wird, in zwei Wochen, ziehen wir ab. Vorerst geniessen wir die ruhige Lage, das Meer, das schöne Resort und die traumhaften Stimmungen bei Sonnenuntergang. Und die Beziehungen zum Personal, die vor allem für die Kinder (und somit auch für uns) ganz lässig sind, kosten wir noch voll aus. Danach geht’s für 6 Tage nach Bangkok, wo ich mir einen kürzlich abgebrochenen Zahn flicken lassen muss und Esther ihren Medivorrat auffüllen muss. Und dann fliegen wir nach Kathmandu in Nepal, wo wir während einer Woche die Vorbereitungen für unseren grossen Treck treffen.

Langweilig wird es uns entgegen meinen Befürchtungen nicht. Im Moment brauchen wir ziemlich viel Zeit um unsere Homepage zu starten (www.4ruetsches-in-Asien.com). Schau doch mal rein.

Koh Lanta hat sich in den 10 Jahren, seit wir das letzte und erste mal hier waren, total verändert. Eigentlich ist es nur innerhalb  des Hotels  schön. Ausserhalb ist die Insel - genau so wie Khao Lak - eine staubige und lärmige Baustelle. Goldgräberstimmung. Es wird gebaut und gestaubt hüben und drüben. Kulturell läuft hier im Süden rein gar nichts. Da gibt es einfach nichts, was nicht im Tourismus wurzelt. Ich freue mich auf Chang Mai, den Norden, wenn wir wieder  in einer wirklich thailändischen Umgebung leben werden.

Rein äusserlich gesehen läuft alles optimal, was in dem Masse nicht vorhersehbar und auch nicht zu erwarten war. Die Reise, die Hotels, die Zimmer, das Geld…alles klappt hervorragend und bildet eine gute Basis.

 

Den Kindern geht es gut. Diesbezüglich habe ich im Vorfeld der Reise die grössten Bedenken gehabt. Andrin hat eine Stabilität, wie er sie in seinem Leben noch kaum je gehabt hat. Er hat ups und downs. Aber in den ganzen sechs Wochen nicht einen richtigen Absturz, wie er zuhause an der Tagesordnung war.

Und Ladina nimmt alles mit links. Schwimmt einfach mit, ohne die geringsten Schwierigkeiten zu verursachen.

Mir geht es auch viel besser als noch vor den Sommerferien. Ich fühle mich gesund und habe wieder meine mir eigene Energie gefunden resp. erhalten. Während knapp drei Jahren habe ich immer mehr oder weniger an den Grenzen meiner Energie gelebt. Das ist jetzt vorbei. Ich habe genügend Energie und Antrieb, um mein Leben zu gestalten.

 

Und Esther? Ihr geht es in grossen Zügen nicht besser und nicht schlechter als zuhause. Sie hat ups und downs mit einer grossen Amplitude. Wären wir zuhause, würde sie bestimmt mehrheitlich in der Klinik sein. Hier kann sie in der Familie leben. Das ist und war ja die Grundintention unserer Reise.

 

Alles in allem läuft es bei uns gut, besser als wenn wir zuhause wären und ich in der Doppelbelastung leben würde. Und somit hat sich der Schritt bisher gelohnt. In zwei Wochen gehen wir wie oben beschrieben nach Nepal, wo wir etwa sechs Wochen trecken werden. Ob es klappt steht in den Sternen. Ich bin (wie eigentlich fast immer) auf alles gefasst und bereit, mit dem was kommt, umzugehen.

 

Ko Lanta, 44er Tag, 22. Oktober 2008, Toni

Schnorcheln und ein baldiges Ende.

Auf Esthers grossen Wunsch machen wir eine Schnorcheltour, „4 islands“, wird sie hier in jedem Reisebüro genannt. Wir starten bei bedecktem Himmel, worüber ich als Sonnenflüchtling und Schattengewächs überaus froh bin. Doch aus der Bedeckung fällt schon bald etwas Regen und bläst ein mässiger Wind, der das Meer in leichte Aufruhr versetzt und unser Schiff auf den Wogen einen langsamen Walzer tanzen lässt. Für Esthers Nervensystem ist das zu viel. Stunden lang wird sie von Übelkeit, Brechreiz und Ängsten vor dem Kentern geplagt.

 

Wir erreichen zwei Schnorchelplätze. Die Kinder wagen den Sprung ins fischreiche Wasser nicht, Esther und ich wohl. Ich springe ins Wasser und werde sogleich von einer Vielzahl von gelben Fischen umschwommen. Währenddessen kommt das zweite Schiff und dann ein drittes und ein viertes und noch eines. Drei sind insgesamt zweistöckig und bald ist das kleine Wasserflecklein bedeckt von orangen Rettungswesten. Nicht einfach, nach unten blickend zu schnorcheln. Das Verkehrsaufkommen ist so gross, dass man eigentlich den Blick auf die vielen schwimmenden Thais über dem Wasser gerichtet haben müsste. Unter Wasser sieht man nach wenigen Minuten sowieso nicht mehr viel. Die langen Motoren der zwei Longtailboote pflügen den Meeresboden um und wirbeln auf, sodass das Wasser in Bälde trüb und die Sicht  minimal ist. Immer wieder muss ich daran denken, dass wir in der Lowseason von sie vielen Schwimmwesten und Motoren umgeben sind, und wie dies erst in der Highseason zu und hergehen muss. Korallen auf jedenfalls gibt es bereits jetzt keine mehr zu sehen, obwohl wir ja genau für diese scheuen Pflanzen tausende von thailändischen Bats ausgegeben haben. Und so sind wir dann nicht böse, als der wie ein stolzer Scheich in weiss gekleidete Kapitän einen Schnorchelplatz auslassend den direkten Heimweg aufs ruhige Festland der Insel Koh Lanta ansteuert. Esther fühlt sich am Abend betrogen: So wenig Korallen für so viel Geld.

 

Bin ich froh, dass ich wenigstens einmal in meinem Leben ein richtiges Korallenriff erschnorchelt habe. Vor zwanzig Jahren, am roten Meer, in Scharm el Scheich, als noch niemand diesen Namen kannte und es dort nichts ausser Wasser und Wüste und ein paar Beduinen gab und natürlich den Krieg, der genau für diese unberührte Natur ursächlich war. Hätte ich bloss damals gewusst, dass ich etwas erlebe, was ich nie mehr in meinem Leben so würde  sehen können: ein unberührtes und intaktes Korallenriff.

 

Ko Lanta, 48er Tag, 26. Oktober 2008, Toni

Sonntag, Ein freier Tag ohne Schule

Sonntag. Ein freier Tag ohne Schule und ohne Arbeiten an der Website. Ein Tag einfach nur  sein. Der Tag tut mir gut. Die Kinder spielen heute ganz viel für sich selber. Ich habe Zeit im Nepalführer zu lesen und mich für die bevorstehende Reise nach Nepal zu öffnen. Wir finden einen eben erst verstorbenen Seestern in voller Pracht. Wiederbelebungsversuche durch Einlegen in Salzwasser misslingen. Das Personal sammelt resp. fängt mit den Kindern Seespinnen.

 

Wir machen uns bewusst: Wir haben  noch vier Tage am Meer vor uns. Dann leben wir mehr als vier Monate ohne Meer: Bangkok, Nepal, Nordthailand. Erst wenn die Touristensaison hier vorüber ist kommen wir wieder zurück in den Süden ans Meer.

 

Esther geht mit den Kindern ins Bett. Das ist schon länger so. Vom gemeinsamen Abend vor dem Seewiewbungalo mit einem Drink träume ich seit Wochen vergebens.

Zum Schluss: Warum ist das Meer salzig? Andrinfrage, das ist keine Frage.

 

Und dann ein harmloser Klick auf die kühl-glatte linke Tuchpathtaste…mit  solchen Klicks werden heute Bomben gestartet und Kriege begonnen. Die Welt als Klickereignis.

 

Ko Lanta, 49er Tag, 27. Oktober 2008, Toni

Bei uns nähert sich der Aufbruch.

Noch drei Tage Meer, und dann sehen wir das Meer erst wieder im April. Es wird für Esther eine anspruchsvolle Zeit. Noch drei Tage hier, Packen, Abschied. Dann die Reise mit dem  Nachtzug nach Bangkok, wo wir drei Nächte in einem kleinen Hotel sind. Anschliessend dürfen wir drei Tage bei Familie Ledergerber aus Ebnat-Kappel, die zur Zeit in Bangkok wohnen, zu Gast sein. Wir freuen uns auf drei Tage Schweizerkultur. Und dann folgt der grosse und teure Sprung mit Thaiairways in eine gänzlich andere Welt. In eines der ärmsten Länder der Welt, in das Land, in dem 7 der 10 höchsten Berge der Welt stehen, in das Geburtsland Buddhas, in ein kleines Land, kleiner als Bayern, das vor Menschen überquillt. Dort leben wir die ersten 6 Tage im Hotel einer Schweizerin, Jolanda, um uns auf das grösste Abenteuer unseres Reisejahres vorzubereiten. Viel Aufbrechen,
Packen, Ankommen....eine gewaltige Reduktion unseres Hab und Gut...eine gewagte Zeit. Eingebunden in die auf Erfahrung gründende Hoffnung, dass die Berge der Gesundheit von Esther schon immer zuträglich waren.

Ko Lanta, 28. Oktober 2008, 50er Tag, Toni

Erste Sehnsüchte nach Schweizer Brötchen und Salat

Der Abschied vom Twin Bay Resort in Ko Lanta naht. Wenn man nur einige Tage in einem Hotel lebt, dann endet der Aufenthalt damit, das man geht, abreist, out checkt. Bleibt man einen Monat dann steht am Ende ein  Abschied. Ein Abschied von Menschen, die einem während vier Monaten begleitet haben. Für Esther und mich und – viel intensiver- für die Kinder. Sie verbringen so viel Zeit mit dem Personal, besser gesagt, den Personal-Menschen, fast Personal-Freunden. Es ist dies unser zweiter Abschied auf unserer Reise. Wie ist es wohl für die Personal-Freunde. Sie finden in unseren Kindern besondere Gäste, die intensiv Beziehung zu ihnen suchen und pflegen.

 

Esther ist heute den ganzen Tag mit Packen beschäftigt. Etwas, was sie sehr viel Kraft braucht. Sie geht es dieses Mal früher an, am dritten Tag vor der Abreise. Ich bin mit den Kindern unterwegs, damit sie Zeit für die Arbeit hat. Coiffure für die Männer ist überfällig. Papa braucht 15 Minuten. Andrin wollte es kurz haben. Unter dreissig Minuten kommt er nicht weg. Die arme Frau bemüht sich, aus Andrins selbst verkafelten Haaren eine halbwegs passable Frisur zu machen. Mich juckts nicht. Selber schuld.

 

Wir essen im Twin-Lotus. Teures Hotel, passt genau für Schweizer. Die Bungalows könnten eine etwas verkleinerte schweizer Einfamilienhaussiedlung sein. Als Appetizer gibt es zum ersten Mal Brötchen und Butter, in der Schweiz wären sie nicht besser und Salat wie in der Stube in Affoltern. Wir wollten doch nach Thailand. Nicht wahr? Warum gefällt es uns in diesem Hotel, das so ganz auf die Bedürfnisse von Europäern ausgerichtet ist, so gut? Wollten wir etwa doch nicht nach Thailand? Auch Andrin ist begeistert. Eine Übernachtung wäre ein Geburtstagsgeschenk von uns für ihn oder ein  Geschenk zum Hochzeitstag von ihm für uns. Sind wir Auslandschweizer oder Fernwehschweizer?

Ko Lanta, 29. Oktober 2008, 51er Tag, Toni

Phase 1 erfolgreich abgeschlossen

Wir sind am Ende von Phase 1 angelangt. Die ersten zwei Monate sind wir bewusst in den ruhigen Süden ans Meer in zwei recht gute Hotels gegangen, in denen wir je einen Monat gelebt haben. Wir wollten optimale Bedingugen für den Start unserer Reise. Konstanz, Ruhe, gefahrloses Essen…Nun stehen wir am Ende dieser Phase. Sie ist gut gelungen. Die Kinder haben sich an den Lebensstiel ohne ihre Kameraden, ohne ihre Spielsachen, ohne die Klasse und an das fremde Essen gewohnt. Uns allen gelingt es erstaunlich gut, in einem einzigen Zimmer auf engem Raum zu leben. Davor habe vor allem ich Angst gehabt. Die Buchhaltung für die ersten zwei Monate ist abgeschlossen. Die Budgetierung, welche wir zuhause erstellt haben, hat sich bewährt. Wir sind jetzt zuversichtlich, dass wir den uns zur Verfügung stehenden Mitteln gut durchkommen. Und Esther hat den Wechsel auch ohne längerdauernde Verschlechterung ihres Zustandes gemeistert. Der Start ist gelungen, das Fundament gelegt. Jetzt steigen wir in den anspruchsvolleren aber auch interessanteren Teil der Reise ein. Wir wagen uns in die Grossstadt  (Bangkok), wir werden die Aufenthalte an denn Stationen verkürzen, wir bereiten und auf den grossen Trecking vor. Denn Kindern und mir  tut es bestimmt gut, wenn wir etwas mehr Herausforderungen haben, einen erlebnisreicheren Alltag. Für Esther, das sind wir uns bewusst, steigen die Risiken an. Aber wir alle hoffen, dass sie diese auf der gelegten Grundlage meistern wird.

Uebrigens: Heute haben wir die erste Schweizer Familie getroffen.

Bang kok , 03.Nov 2008, Toni

Wir sind jetzt in Thailand angekommen

Die Reise mit dem Nachtzug nach Bangkok haben wir gut überstanden. Wir haben in einem kleinen Hotel ausserhalb der  Touristengebiete, Charliehouse Pink Lao, niedergelassen. Geheimtipp. Eine Suite mit drei Zimmern und 3 TVs und 2 Bädern. Alle sehr zufrieden. Wieder ein Volltreffer. Totale Ruhe, kaum Gäste. Endlich Internetanschluss im Zimmer… mailen, Radio DRS hören, für die Weiterreise recherchieren.

Esther läuft voll auf Touren. Dieser ungewohnte Zustand, wenn sie mehr Energie hat als ich. Uns auf Trab hält, noch dies und das und weiteres will, mit den Kindern schwatzt und schwatzt , auf ihre Wünsche eingeht und ihnen neue entlockt, und ich dem Tross der Rütsches nur noch stumm hintennachhinke. Abends, Kinder im Bett, Esther schliesst den Laden innert Minuten und ich bleibe noch lange alleine auf. In mir die unangenehme Spannung, ob das wohl anhält, die Gewissheit, dass es so nicht anhalten kann, enden wird, bloss zu einem unangenehmen Zeitpunkt. Genau das ist  das unangenehme.

 

Bang kok , 05.Nov 2008, Toni

Box Jellyfish oder das nahe Ende des Tourismus in Thailand

20.50. Wir sind seit 15 Minuten im Hotel und meine Frau schläft schon. Zeit fürs Tagebuch.

Wir sind seit fünf Tagen weg von Ko Lanta hier in Bangkok. Lesen Schlagzeilen in der Bangkokpost. 2 Tote auf Ko Lanta. Sind in Berührung gekommen mit dem

Giftigsten Seetier der Erde, dem Boxjallyfish. Einer Quallenart, die es eigentlich in Thailand nicht gibt, die in Australien heimisch ist. Doch durch die Erwärmung des Meeres tauchen sie immer wieder mal und immer häufiger an thailändischen Stränden auf. Zwar noch vereinzelt, aber jede Begegnung mit ihr endet tödlich. Das Gift einer solchen Qualle reicht aus, um für 200 Menschen die Ferien in Thailand und ihr Leben auf Erden vorzeitig zu beenden. Früher habe ich beschrieben, wie sich der Tourismus auf  Ko Lanta in einer Goldgräberstimmung befindet. Aber es braucht noch ein paar solch tödlich endender Begegnungen von Touristen, und keiner wagt sich mehr auf Ko Lanta ins Meer. Und all die tausenden von Hotelbetten stehen leeeerer als je zuvor. Gleiches ist übrigens im April auf der weltberühmten Insel Ko Phi Phi passiert. Die Autoritäten werden etwas dagegen unternehmen, stand in der Zeitung.

Was sonst noch passierte? Besuch bei Familie Ledergerber, aus Ebnat-Kappel. Sie unterrichten an der neben Singapur einzigen Schweizer Schule in Südostasien. Unglaublich herzlicher Empfang und stundenlange Gespräche über Thailand und Thais.

Später gehen wir nochmals im Bumrumgrad. Grösstes privates Krankenhaus Südostasiens. Esther hat sich bei den Medis verzählt. Wir brauchen noch 60 Topamax. Ich habe 3000 Bath in der Tasche. Ob das wohl reicht.? Wir müssen ja zuvor den Psychiater im Spital konsultieren, der uns das Medi verschreibt.  Aber der kostet ja wieder, und dann reicht das Geld nicht mehr für die Medis, wenn es überhaupt reicht. Wir gehen ins psychiatrische Ambulatorium, melden uns an und –Esthers Idee- erklären den Sachverhalt: Wir bräuchten nochmals Medikamente, aber wenn wir noch eine ärztliche Verordnung bräuchten, dann reichte unser Geld nicht mehr….Sie werde mit dem Arzt sprechen. Wir sprechen vor, er erordnet das Topamax, wir gehen wieder am Desk vorbei, sie habe mit ihm gesprochen, er habe uns für die Konsultation nichts berechnet. Thank you… wo gäbe es in der Schweiz so etwas? Am Unispital in Zürich?  Wir gehen zur Kasse, warten bange bis wir dran sind. Was machen wir, wenn die 60 Tabletten 4000 Bath kosten? Woher kommen sie wohl? Thailändische Kopien, dann reicht das   Geld sicher. Europäische Originalprodukte, dann wird’s pinlich. Sorry, we do not have enough money. Wir nehmen nur 20 Tabletten. Endlich bin ich dran. Tree housand Bath. Ich traue meinen Ohren nicht und Andrin wiederholt in voller Lautstärke: tree thousand Bath. Wie ist so was möglich.

Das Medikament ist, wie befürchtet, treuer, es stammt aus der Schweiz. Originalverpackt auf Zug. In der Schweiz, das habe ich jetzt nachgeschaut, kostet es etwa acht Franken mehr, 107.20. Gott sei dank mussten wir für die Konsultation nichts bezahlen. Erleichtert verlassen wir den Palast, um 60 Tabletten reicher. Lassen die Ölscheichs hinter uns zurück. 1 Stunde Taxifahrt liegt noch vor aus. Ca 100 Bath wird es uns kosten. Das Benzin inklusive, und das Auto und die Abnutzung der Lungen des Fahrers und natürlich das Essen, dass er während der Fahrt verdaut. Wirklich all-inklusiv.

Ladina ist noch voll auf drive. Top fit. Die beiden Kinder machen das einfach unglaublich gut. Wir hätten uns nie im Traum ausgemahlt, dass das Reisen mit unseren beiden Kindern so problemlos läuft. Beim tagesschlussendlichen Abendessen im Shoppingcenter spazieren die beiden los, kaufen sich noch zwei Donuts. Hand in Hand. Suchen im oberen Stock, und dann noch einen weiter oben und dann zuguterletzt einen unter uns, finden die Donuts, kaufen und bezahlen sie und kommen zu uns zurück. Quietschvergnügt, Hand in Hand, der Donut sei sehr teuer, 22 Bath, findet Andrin.

En guete und gute Nacht.

3.11.08, Esther

 

Seit 2 Tagen sind wir in Bangkok. Ich hatte grossen Respekt davor, wieder in diese Grosstadt zu kommen, in der ich vor einigen Monaten erst einen grossen „Absturz“ erlitten hatte. Doch gerade wegen jenes Vorfalles wusste ich jetzt viel besser, wie ich mich vorbereiten und auch jetzt verhalten muss. Ich bin sehr glücklich über unser wunderschönes Guesthouse, das wie eine Insel inmitten der Grosstadt ist. Ich verbringe hier viel Zeit und komme immer wieder zurück zum Auftanken und Pause machen. Hier ist es ruhig, es hat einen Fischteich, einen schönen Garten, einen kleinen Pool und ab und zu spielt eine Frau eine Art Hackbrett.

 

Doch eigentlich wollte ich über ein ganz anderes Thema schreiben. Der Abschied in Koh Lanta war eindrücklich und ging mir nahe. Wir lebten 3 Wochen im „Twin Bay Resort“. In diesen 3 Wochen sind sehr viele und spezielle Beziehungen entstanden zu den Angestellten des Resorts. Auch für sie ist es speziell, dass eine Familie so lange bei ihnen verweilt. Die Angestellten hatten eigentlich noch viel zu wenig Arbeit, da immer noch Lowseason war und überhaupt, Stress kennt hier sowieso niemand.

Doch sehr speziell und schön war einfach die Art und Weise, wie offen und witzig diese Thailänder auf die Kinder zugingen. Da läuft sofort auf der Juxebene ein Spässchen und vor allem Ladina kneift dann sofort zurück. Dann wird ein Versteckspiel gemacht oder sie lernen zusammen auf Englisch zu zählen. Im Falten sind oft die Thais auch Künstler. Da erlebten wir mal, dass schlussendlich 5 Angestellte und wir 4 um den Kassiererinnentisch sassen und standen und bis nachts um 10 Uhr Kunstwerke falteten. Bei Ladina dauerte es, wenn wir im Dorf in ein Restaurant gingen, kaum mehr als 10 Min und sie stand in der Küche und half mit. Wir mussten sie öfters in ihrem Temperament bremsen.

Was mich speziell faszinierte, war, wie sich vor allem auch die thailändischen Männer auf  die Kinder einliessen. Auf  der einen Seite körperlich, das heisst mit spielerischem Kämpfen und sich gegenseitig herausfordern, sowie auch beim Falten oder Milchshake zubereiten. Ich empfand eine stimmige Ausgewogenheit, wie ich sie oft in der Schweiz vermisse.

Was mich auch beeindruckte war, dass sowohl wir Erwachsenen als auch die Kinder problemlos mit allen „Schichten“ von Leuten, die im Resort arbeiten, in Kontakt treten konnten. So konnte Ladina an den Frühstückstisch des Chefs sitzen und mit ihm  „plaudern“ oder Andrin konnte eine Stunde an der Bar hocken und mit dem Barkeeper „grölen“ oder wir erfanden ein lustiges Spiel mit dem Nachtwächter oder der „Chef de Service“, genannt „Capitän“, pudelt für uns 1Meter neben dem Esstisch einen „Polom“, das ist eine Art Spinne oder Wasserkrebs, aus.

Wir haben in diesen Wochen sooo viel gelacht, und die Angestellten wahrscheinlich auch. Bilder dazu seht ihr in der Photogalery unter „Abschied von Koh Lanta“.

Der Höhepunkt war für mich ganz persönlich, als mich am Schluss die Verantwortliche für`s ganze Resort umarmte, und dann nochmals und nochmals.

Vielleicht kommen wir im Frühling nochmals 1 Woche nach Koh Lanta, may by, may by not…

Kathmandu, 7. 11 2008, Toni

Weltenwende und Namaste

Am sechsten ist Packen angesagt. Wir lassen den geplanten Ausflug weg. Bald stellt sich erhaus, dass Esther mit dem Packen (ihr Resort) total überfordert ist. Ich übernehme es. Ihre Energie müssen schliesslich noch für den kommenden Reisetag reichen. Sie sucht die Bilder für den Jahreskalender aus, ich räume unsere fast 100kg Reisegepäck zusammen.

Kurze nacht, frühes Aufstehen, Abfahrt um 07.00, ich gehe davon aus, dass 90 Minuten für die 32 km zum  Flughaven reichen sollten. Stau, Traffic Jam, rush hour, wie immer das fliessende oder besser leider nicht fliessende Unding heisst, jedenfalls schon voll im Gang. 60 Minuten für 6,8 km. Esther wird nervös. Endlich, Highway, die restlichen 24 km sind mit 140 kmh schnell überwunden. Genau zwei Stunden vor dem Abflug stehen wir zum Check in bereit. Alles klappt wurnderbar. Wir fliegen 7 Minuten zu früh ab, über Burma und Indien nach KTM, wo wir eine halbe Stunde zu früh landen. Dann eine gute Stunde schlage stehen, um das Visum zu erhalten. Das Visum in den Händen, schreiten wir gefasst auf das Damoklesschwert zu. Unsere Medikamente. Weisen wir sie vor, so werden wir mit Sicherheit stunden damit verbringen, zu erklären, und vielleicht, wenn wir glück haben, vor mitternacht mit einem Teil davon das Hotel erreichen. Weisen wir sie nicht  ausdrücklich vor, kann es sehr schnell gehen oder direkt in den Jail. Drei Jahre liegen drin, so steht es in den Unterlagen, die uns im Flugzeug verteilt werden. Wir entscheiden uns für letzteres, ich denke mir schon aus, wie die wohl eine Familie einbuchten wollen. Im Reiseführer steht, dass das Gepäck bei der Zollkontrolle durchleuchtet wird. Am Bagageclaim kommt ein Nepali, lädt unser Gepäck auf ein Wägeli und steuert los, wir hintendrein. Fraglos läuft er voraus, am Röntenkontrollgerät der Zollkontrolle vorbei, wir halten den Atem an, er läuft weiter wortlos daran vorbei, wir hinten nach…“ wars das, fragt Esther“ „Red nicht, geh einfach“, lautet meine Antwort. Er möchte Geld für den Dienst. Wir haben keine Rupies, bieten ihm 40 Thaibath an, er ist unzufrieden, ich schiebe 20 nach, 60 sind für einen Gepäckrolli eigentlich genug. Oder doch nicht, war er gar kein Gepäckrolli sondern ein Engel? Wusste er, dass er das Engelshonorar verdient hatte? Und dann sehen wir den Namen „Familie Rütsche“ auf einem Zellel. Ein Jubel, das wars, wir sind  Raus, und schon drin im Taxi zum Trekkers Holiday in in KTM. Auf schwiezerdütsch werden wir abgeholt, zu unseren sauberen superminihotel unter schweizer Leitung geführt und sitzen bald bei Müesli, Knöpfli und Salat am Tisch. Zuvor, ich konnte es nicht lassen, habe ich Esther ins Bett geschickt und die Kinder mussten mit mir 25 Minuten durch die staubigen Strassen zum Bodenath wandern, dem berühmten und eindrücklichen buddhistischen Heiligtum. Ohne dieses umrundet zu haben kann ich nicht einschlafen, nicht am Fusse des Himalaja, nicht in Katmandu.

Gute Nacht, wir freuen uns auf das Zmorge mit frischen Zöpfli und Müesli und schwiezerdütscher Bedienung.

Damit ich’s nicht vergesse: Eine Affoltermerin, Esther Schönbächler, wohnt im gleichen Hotel. Staun auf beiden Seiten. Ihr Lebenspartner hat uns das Grundstück, auf dem unser Haus steht, verkauft.

Katmandu, 8. 11 2008, Esther

1 Woche Bangkok liegt hinter uns, 1 Woche Kathmandu liegt vor uns. 2 Welten! So verschieden. Solch andere Gerüche, solch andere Kleidungen, solch andere Gesichtsausdücke, solch andere Verhaltensweisen, einfach sooooo anders!!!

Die Reise beginnt im modernen Flughafen Bangkok, problemloses Einchecken, Einsteigen, Abfliegen und Landen. Und dann befindet man sich schlagartig in einer anderen Welt. Um ein Visum zu bekommen, steht man erst mal eine Stunde Schlange. Dann bezahlt man eine saftige Summe für das nun neu mögliche 3 Monats-Visum, wobei zu bemerken ist, dass die Kinder gratis ins Land dürfen.

So, nun ist die erste Hürde geschafft. Nun schlägt mein Herz höher, denn wir konnten vor unserer Reise mit all unserer Mühe keine Klarheit bekommen, ob und wie ich meine vielen Medikamente einführen kann. Klar war uns, dass wir sie beim Zoll deklarieren müssen, denn ansonsten, wenn sie uns „erwischt“ hätten, hätte uns eine Gefängnisstrafe gedroht. Da uns die Botschaft jedoch nicht weiterhelfen konnte, steuerten wir einfach mal mit meinen Medibescheinigungen aus der Schweiz unter dem Arm Richtung Bagageclaim. Da stand plötzlich ein Mann, half uns unaufgefordert mit. Der hiefte unsere Rucksäcke auf den Gepäckwagen, übernahm die Führung, führte uns mit Ladina auf dem Wagen beim Roten und Grünen Zoll vorbei, das heisst, wir zeigten überhaupt keine Pässe, und … ehe wir das Ganze richtig realisierten, waren wir draussen, gaben unserem „Engel“ unsere restlichen Thai – Bath und standen schon Judith gegenüber, die uns abholen kam. Tränen der Entlastung und des Glücks lösten die meine innere Spannung. So richtig bewusst wurde es Toni und mir erst etwas später: Das war ein wirklich ein Engel!

 Katmandu, 9. 11 2008, Toni

Tamel

Heute machen wir den ersten von zwei geplanten Einkaufstagen im Touristenviertel Tamel. Heute stehen Schlafsäcke und Daunenjacken an. Zwei erhalten wir von Gästen des Hotels geschenkt, resp. geliehen. Zwei müssen wir einkaufen. Ist hier Vertrauenssache auf Gedeih und Verderben. Wir bezahlen einen drittel von dem, was es in der Schweiz kosten würde, für hohe resp. höchste Qualität. Erfreulich und zugleich begleitet von der bangen Frage, ob das Wort des Verkäufers auch auf 5000 Metern bei 20 unter null gilt. Wir werden es erst dann wissen, in ca. drei Wochen. Solange freuen wir uns mal bedingt über den guten Handel.

Tamel, wo ich mich vor 10 Jahren einen Monat lang wohl fühlte, ist kaum mehr auszuhalten. Jedenfalls für einen mittvierziger ADSler. Vollgepropft mit Läden, rettet man sich von einem zum anderen, dicht bedrängt von zahllosen hupenden Taxen und wilden Töfs. Die zwei kleinen reiss ich an den Händen hinter mir her. Sprechen dürfen sie nicht. Ich habe mich so auf den Tamel gefreut, wo ich so viele Stunden Tagebuch geschrieben habe bei Jasmintee, ich war wohl heute das letzte mal da. Nein, noch einmal gehen wir hin, Shopping Teil 2.

In Thailand ist es, als ob Autos keine Hupe hätten. Hier, als ab der Off-Schalter defekt wäre. Sinnloses Dauergehupe. Andrin möchte die Nepalis die Geduld lehren.

Ich bin nach zwei Stunden im Tamel kaputt. Batterie leer. Esther ist voll auf Power, bis die Kinder im Bett Ruhe geben um 21.15. Wir versuchen noch ihr Zustandsbarometer auszufüllen. Sie fällt in den Schlaf, aufrecht im Bett sitzend, mit Kleidern und Brille auf der Nase. Aus einem Abenddrink wird wieder nichts wie fast jeden Abend. Ehefrust lässt grüssen.

 

Katmandu, 14. 11 2008, Toni

Tamel statt Untwerwegs

Eigentlich sollten wir nicht mehr in Katmandu sein. Aber wir sind es immer noch. Bisher lief auf unserer Reise alles wie am Schnürchen. Seit wir in Nepal sind läuft es etwas anders. Beispiel: Auf der Strasse nach Jiri, wo wir nach ca. 10-12 Stunden Holper-Holper-Bus unseren Treck starten wollten, kamen zwei Töffahrer eines Töfs durch einen tragischen Zusammenprall mit einem Bus ums Leben. Die geschädigte Familie will eine Million Nepalirupi Schadenersatz. In einem Nichtrechtsstaat sperrt sie die Strasse, gräbt ein Loch in die Strasse und baut eine Steinmauer auf. Und dann wartet sie auf den Rupi und wir und andere auf den Treck. Kein Verkehr mehr möglich, keine mit Machtmitteln ausgestattete Polizei, die dem Gebaren der Geschädigten ein Ende setzen können. Und so warten wir nun, von Tag zu Tag, packen allabendlich die Rucksäcke, stehen jeden Morgen früh auf, in der Hoffnung, dass es heute possibel ist und der Bus fährt. Wie lange wohl? Die Porter haben wir bezahlt, sie geniessen bestimmt die besoldeten Freitage und Andrin kämpft mit der Enttäuschung.